Naturwissenschaftliche Ausbildung einer Sprachbegabten...

Wie wird man so ein „Multityp“, wie Vera Förschner sich selbst nennt? „Ich kann doch  nichts dafür, dass ich immer neue Ideen habe“, sagt sie und lacht. Ihre Vielseitigkeit, ihre vielfältigen Begabungen und Interessen – beinahe sind sie ihr peinlich. Aber ihnen nachzugehen, das war ihr, der sprachbegabten, musikinteressierten, aber naturwissenschaftlich ausgebildeten Tochter aus einer Künstlerfamilie immer wichtig. Daher die vielen Projekte, die sie zum Beispiel in Form von Theater- und Musicalaufführungen über vier Jahrzehnte an ihrer alten Schule losgetreten hat. Daher auch die Theatergruppe, die sie schon zu Zeiten, als sie noch nicht am Birklehof gearbeitet hat, vor allem musikalisch begleitet. Dass die Texte für die Songs bei den Inszenierungen aus ihrer Feder stammen – schon fast selbstverständlich.

Vera Förschner (Foto: Hanspeter Trefzer, Freiburg)

Internat Birklehof

Projekte und Engagement

Ebenso selbstverständlich für Vera Förschner: ihr vielfältiges Engagement am Birklehof, an dem sie – eigentlich schon Ruheständlerin – nun im dritten Jahr Chemie und Biologie unterrichtet, aber eigentlich noch viel mehr macht. Das „Ötzi-Projekt“ zum Beispiel. Vera Förschner erinnert sich: „Ich hatte im Ötzi-Museum in Bozen gesehen, wie sie damals Kupfer gewonnen haben, natürlich mit ganz einfachen, steinzeitlichen Methoden.“ Da hatte sie wieder so eine neue Idee, die sie mit Schülern ausprobieren wollte. Schnell fand sie Unterstützung am Birklehof – etwa bei ihrer Kollegin und Historikerin Rosemarie Köller, die den Schülern begleitend zum Ötzi-Projekt die Kultur der Steinzeit nahebrachte. Und bei den am Internat angestellten Handwerkern, die ihr bei ihren Wünschen zur Seite standen, „sensationell hilfsbereit“ waren, wie Förschner schwärmt. Es sind Projekte wie diese, für die sie sich begeistert, die sie aber nicht um ihrer selbst willen betreibt. „Wir müssen die Schüler in alle Richtungen fördern und aufpassen, dass sie in ihren Fähigkeiten nicht einseitig werden“, sagt sie. Das im Blick zu behalten, ist ihr gerade im plus-Mint-Programm überaus wichtig. „Naturwissenschaftlich besonders begabte Jugendliche haben sowieso schon ein Päckchen zu tragen“, sagt die Biologie- und Chemie-Lehrerin. Viele legten solche Schülerinnen und Schüler in die Schublade mit der Aufschrift „Sonderbegabung“ ab. „Dabei ist es wichtig, dass wir die Jugendlichen in möglichst vielen Bereichen fördern, gerade auch dort, wo sie sich kreativ ausprobieren können.“

Einzigartige Lehrer-Schüler-Begegnungen im Internat

Diesen „ganzheitlichen Aspekt“ im Blick zu behalten – das hat sie sich für ihre Arbeit auch am Birklehof vorgenommen. Die Bedingungen dafür am hiesigen Internat findet sie fabelhaft: Die Fachkollegen seien „echt toll“ und ihr gegenüber – der Frau mit den vielen Einfällen – immer voller Vertrauen gewesen. Die kleinen Klassen ermöglichten einen differenzierten Unterricht, der auf die Belange der einzelnen Jugendlichen Rücksicht nähme. Vor allem aber ist es die besondere Atmosphäre am Internat, die Vera Förschner schätzt: „Die Art und Weise, wie hier Begegnungen zwischen Schülern und Lehrern stattfinden, die ist einfach einzigartig.“

Dr. Peter Itzen